
Ausgangslage
Der Gewaltschutz in Österreich orientiert sich vorrangig an der weißen Frau ohne Behinderungen. Frauen* mit Behinderungen erleben deutlich häufiger Gewalt – und stoßen zugleich auf mehr Barrieren, wenn sie Schutz und Unterstützung suchen. Es fehlt an baulicher Zugänglichkeit, an zugänglicher Information, an Bewusstsein für die Zielgruppe. Und dort, wo Frauen* mit Behinderungen ohnehin schon andocken, fehlt oft die fachliche Kompetenz zum Thema Gewalt.
Mit dem Projekt Türen Öffnen arbeitet FmB gemeinsam mit Ninlil an genau dieser Lücke.
Als FmB haben wir die Interessen von Frauen* mit Behinderungen in die Entstehung des NAP Gewaltschutz 2025–2029 eingebracht: in Sitzungen, in Vorschlägen, in vielen Gesprächen mit Politiker*innen und Stakeholdern. Auch Ninlil und weitere Organisationen haben daran mitgearbeitet.
Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die Maßnahme 8.6: „Stärkung des barrierefreien Zugangs zu Beratungsstellen für Frauen* mit Behinderungen“. Eine Maßnahme im NAP ist aber noch keine Umsetzung. Türen Öffnen schafft die fachliche Grundlage dafür, dass aus dieser Maßnahme konkrete Veränderung wird.
Was wir untersuchen
Wir machen eine Bestandsaufnahme: Wie zugänglich und wie fachlich vorbereitet sind Beratungseinrichtungen in Österreich? Welche Barrieren bestehen? Und welche Verbesserungen sind aus Sicht der betroffenen Frauen* notwendig?
Die Lücke hat zwei Seiten, deshalb erheben wir mit zwei getrennten Fragebögen:
- Frauen*beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen – hier fragen wir nach Barrierefreiheit und Zugänglichkeit.
- Beratungsstellen für Menschen mit Behinderungen – hier fragen wir nach Kompetenz und Wissen zu Gewalt und Gewaltschutz.
Die Fragebogen-Erhebung läuft von August bis Mitte September 2026. Ebenfalls im September finden drei Fokusgruppen statt. Sie vertiefen die Ergebnisse aus den Fragebögen und bringen die Perspektiven zusammen, auf die es ankommt.
Die Fragebogen-Erhebung führen wir gemeinsam mit L&R Sozialforschung durch.
Peer-Wissen
Frauen* mit Behinderungen sind in Türen Öffnen nicht Forschungsobjekt, sondern Expertinnen*. Ihr Erfahrungswissen fließt direkt in die Konzeptentwicklung ein. Das ist keine Zusatzschleife, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Ergebnisse etwas taugen: Niemand sonst weiß so genau, woran der Zugang zu Beratung tatsächlich scheitert. Zwei der drei Fokusgruppen werden nur aus Frauen* mit Behinderungen bestehen.
Was daraus entsteht
Aus der Bestandsaufnahme entwickeln wir konkrete fachliche Umsetzungsvorschläge – für Schulungen, Workshops und Sensibilisierungsmaßnahmen. Sie sollen Einrichtungen in die Lage versetzen, ihre Angebote inklusiver, barrierefreier und sicherer zu gestalten.
Langfristiges Ziel: Gewaltbetroffene Frauen* mit Behinderungen sollen Beratung und Begleitung leichter in Anspruch nehmen können.
Wer das Projekt macht
Türen Öffnen ist ein Kooperationsprojekt von Ninlil und FmB. Die Projektleitung liegt bei Ninlil, beide Vereine arbeiten in allen Teilen des Projekts zusammen.
Ninlil besteht seit 1996 und ist die einzige Organisation in Österreich, die sich explizit um den Gewaltschutz von Frauen* mit Behinderungen kümmert. Ninlil bringt die Praxiserfahrung aus Beratung und Empowerment ein.
FmB bringt die interessenpolitische Perspektive und die Verankerung in der Community mit.
Projektdaten
Laufzeit: Juli 2026 bis Dezember 2026
Projektleitung: Ninlil – Empowerment und Beratung für Frauen mit Behinderung
Kooperationspartnerin: FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen
Wissenschaftliche Begleitung: L&R Sozialforschung
Förderung: Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung
Einfache Sprache: Worum geht es beim Projekt Türen Öffnen?
Frauen* mit Behinderungen erleben öfter Gewalt als andere Frauen*. Aber sie finden oft keine passende Hilfe. Manche Beratungs-Stellen sind nicht barrierefrei. In anderen Beratungs-Stellen wissen die Menschen wenig über Gewalt.
Die Regierung in Österreich hat einen Plan gegen Gewalt an Frauen*. Der Plan heißt Nationaler Aktions-Plan Gewaltschutz. Die kurze Form ist NAP. Wir von FmB haben bei dem Plan mitgearbeitet. Der Verein Ninlil auch. Im Plan steht: Frauen* mit Behinderungen sollen leichter zu Beratungs-Stellen kommen.
Das Projekt Türen Öffnen arbeitet an diesem Ziel. Ninlil und FmB machen das Projekt gemeinsam. Ninlil leitet das Projekt. Es läuft von Juli 2026 bis Dezember 2026.
Wir schicken 2 Fragebögen aus. Einen Fragebogen schicken wir an Frauen-Beratungs-Stellen. Einen Fragebogen schicken wir an Beratungs-Stellen für Menschen mit Behinderungen. Die Beratungs-Stellen können von August bis Mitte September 2026 antworten.
Im September 2026 gibt es 3 Gruppen-Gespräche. Man sagt dazu auch Fokus-Gruppen. Bei 2 von den 3 Gruppen-Gesprächen reden nur Frauen* mit Behinderungen mit. Denn Frauen* mit Behinderungen wissen selbst am besten, was sie brauchen.
Danach machen wir Vorschläge: zum Beispiel für Schulungen und Workshops. So können Beratungs-Stellen besser werden. Und Frauen* mit Behinderungen bekommen leichter Hilfe bei Gewalt.
Das Geld für das Projekt kommt vom Bundes-Ministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
Mitmachen
Du willst dich für besseren Gewaltschutz für Frauen* mit Behinderungen einsetzen? Werde Mitglied bei FmB. Unsere ausführlichen Forderungen zum Gewaltschutz findest du hier.