MedInUnity schafft Bewusstsein für eine Medizin, in der alle mitgedacht werden – der Verein informiert über Frauengesundheit, Gendermedizin und rassismuskritische Medizin. Am 05.08.2026 waren Julia Moser und FmB-Mitglied Anna Rokop (RespectAble) am Podium der Veranstaltung „Wer wird gesehen und wer wird übersehen? Intersektionalität in der Medizin“ im Future Health Lab in Wien.
Der Abend widmete sich schwerpunktmäßig drei Perspektiven zu dieser Frage:
- Durch eine Keynote von Mariam Vedadinejad zu „Diskriminierungssensibel behandeln – Was faire Medizin braucht“
- Durch eine Panel-Diskussion zu Inklusion von Frauen* mit Behinderungen und Ableismus in der Medizin, mit Julia von FmB und Anna Rokop (RespectAble), moderiert durch Vorsitzende Sibel Ada
- Durch kraftvolle Stimmen aus dem System – Thema Migrantinnen* und WoC in der Medizin (mit Mireille Ngosso, Franczeska Caguicla, Michelle Nägeli)

„Lücken im System treffen auf Lücken im Vertrauen“
In der Keynote zu Beginn wurde klar, dass eine faire Medizin intersektional denken muss: gendersensibel, queer-freundlich, rassismuskritisch und anti-ableistisch. Das derzeitige System vermittelt Unsicherheit, es kommt häufig zu Nicht- oder Fehlbehandlungen. Der Raum sollte bereits zu Beginn einer Anamnese geöffnet werden indem beispielsweise alle Personen gefragt werden, wie sie angesprochen werden möchten. In der Diagnostik müssen die Algorithmen sensibler werden; race neutrale Variablen müssen institutionell verankert werden.
Gender Disability Health Gap
Julia Moser und Anna Rokop sprachen danach über die Situation von Frauen* mit Behinderungen im Gesundheitssystem, spezifisch über Ableismus und Sexismus und deren Folgen. Deutlich wurde: Das Bild des männlichen, weißen, jungen und starken Patienten muss durch vielfältige, intersektionale Bilder ersetzt werden.

Es fehlen nach wie vor zahlreiche Daten in der Forschung, beispielsweise zu den Wechselwirkungen von hormonellen Umstellungsphasen und chronischen Krankheiten bzw. Behinderungen. Diese Forschungen sollten von Frauen* mit Behinderungen geführt werden, oder sie müssen zumindest partizipativ in das Forschungsdesign einbezogen werden.
Migrantinnen* und WoC (Women of Color) in der Medizin
Im dritten Teil gab es eine aktive Diskussion im Fish-Bowl-Format. Die Aktivistinnen Mireille Ngosso, Franczeska Caguicla und Michelle Nägeli berichten aus ihrer Praxis als Ärztinnen mit Migrationserfahrung, dass sie oft völlig unpassend nur auf ihre Herkunft reduziert werden. Auch im Medizinstudium gibt es nicht genug Sensibilisierungsmaßnahmen – es herrscht noch immer ein eurozentrischer Blick.
Insgesamt war der Abend geprägt von einem offenen, lebhaften Austausch. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und viel Hoffnung aus der starken Community geschöpft! Wir bedanken uns für die Einladung, den barrierefreien Rahmen und die vielen guten Gespräche!