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Wer entscheidet über meinen Körper? – Filmabend zu Sterilisation und Selbstbestimmung

    Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung, Aufklärung und Selbstbestimmung. Wie sehr diese Rechte für Frauen* mit Behinderungen eingeschränkt werden, zeigte sich bei unserer Online-Filmvorführung am 28. September 2026 im Rahmen der Safe Abortion Week. Gemeinsam mit dem Medienhaus andererseits zeigte FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen die Dokumentation „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ von andererseits.

    Der Film beschäftigt sich mit Sterilisationen von Menschen mit Behinderungen in Österreich und Deutschland und zeigt, wie andere über ihren Körper und ihre Zukunft bestimmen. Fehlende Aufklärung, gesellschaftliche Vorurteile und mangelnde Unterstützung können dazu führen, dass Selbstbestimmung zur Fremdbestimmung wird.

    Besonders deutlich wird das am Fall Straubing in Deutschland: Eine Frau mit Trisomie 21 wurde 2021 sterilisiert. Gegen ihre Eltern und die ausführende Oberärztin wurde Anklage wegen schwerer Körperverletzung erhoben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Medienberichten zufolge war die Frau zuvor sexueller Belästigung in ihrem Wohnumfeld ausgesetzt. Anstatt diese Situation zu ändern und sie vor Gewalt zu schützen, wurde bei ihr eine Zwangssterilisation durchgeführt. Der Fall wirft grundlegende Fragen auf: Wie können Frauen* mit Behinderungen wirksam vor Gewalt geschützt werden? Wieso wird eine Frau zwangssterilisiert, anstatt den Täter zur Rechenschaft zu ziehen?

    Auch der Artikel im STANDARD „Menschen mit Behinderung werden immer noch gegen ihren Willen sterilisiert“ zeigt, wie wichtig es ist, diese Problematik öffentlich zu thematisieren.

    Einblicke in die Recherche: Ableismus in der medizinischen Praxis

    Im anschließenden Filmgespräch diskutierten Chiara Joos und Ramona Arzberger von andererseits sowie Heidemarie Egger von FmB über die Entstehung der Dokumentation und die Hintergründe der Recherche.

    Besonders eindrücklich war ein Rechercheversuch, bei dem sich eine Journalistin als Frau ohne Behinderung ausgab, die eine Sterilisation wünscht. Ihr wurde vehement von dem Eingriff abgeraten, ganz im Gegensatz zu Frauen* mit Behinderungen.

    Dieser Kontrast macht Ableismus in der Medizin und innerhalb unserer Gesellschaft deutlich: Frauen* mit Behinderungen wird häufig weniger zugetraut, selbst über ihren Körper und ihr Leben zu entscheiden. Ihre Wünsche werden infrage gestellt, ihre Entscheidungsfähigkeit wird angezweifelt und andere meinen, besser zu wissen, was gut für sie ist. Dahinter stehen ableistische Vorstellungen, nach denen Frauen* mit Behinderungen nicht selbstverständlich als selbstbestimmte sexuelle Personen oder als potenzielle Mütter wahrgenommen werden.

    Ableismus greift dort, wo Menschen aufgrund ihrer Behinderung weniger Selbstbestimmung zugestanden wird. Was bei einer Frau* ohne Behinderung als persönliche Entscheidung respektiert wird, wird bei einer Frau* mit Behinderung möglicherweise zum Anlass, ihr diese Entscheidung abzunehmen. Vermeintlicher Schutz wird so zur Bevormundung.

    Auch beim Screening wurde deutlich, wie wichtig Räume für den Austausch über Sexualität, Gewalt und Selbstbestimmung sind: Unter den Teilnehmenden waren allerdings ausschließlich Frauen*. Dies könnte ein Hinweis dafür sein, dass viele Männer die Themen Verhütung und Schwangerschaftsabbruch nicht bei ihnen, sondern in den Händen der Frauen* sehen.

    Die Position von FmB: Frauen* mit Behinderungen haben reproduktive Rechte!

    Selbstbestimmung beginnt mit Wissen. Jede Frau* mit Behinderungen hat das Recht, informiert zu entscheiden, Nein zu sagen und über den eigenen Körper und die eigene Zukunft zu bestimmen. Dafür setzt sich FmB ein.