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Von Gender Health Gap bis strukturellen Rassismus im Gesundheitswesen: Nachbericht NGO-Forum der Volksanwaltschaft

    Am 27.05.2026 nahm FmB am NGO-Forum der Volksanwaltschaft teil. Thema der Veranstaltung war „Benachteiligte Gruppen und blinde Flecken im Gesundheitsbereich“. Nach einer Begrüßung durch Volksanwalt Bernhard Achitz hörten wir vier spannende Vorträge zu strukturellen Problemen von vulnerablen Gruppen im österreichischen Gesundheitssystem.

    Im ersten Vortrag sprach Manuela Lanzinger (Vizepräsidentin ÖBR) darüber, dass Menschen mit Behinderungen im Gesundheitssystem auch 18 Jahre nach Ratifizierung der UN-BRK noch immer nicht gerecht behandelt werden. So findet sich immer noch Ableismus in Schulungsvideos, behinderten Menschen werden Behandlungen verweigert, es mangelt an Barrierefreiheit. Sie brachte berechtigte Kritik an Schein-Partizipation ein und nannte mehrere Forderungen. So muss etwa der Zugang von Frauen* mit Behinderungen zu Leistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit verbessert werden. Gesundheitspersonal muss auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen geschult werden – einerseits in der Kommunikation, andererseits betreffend Haftung bei fehlender Aufklärung zu Eingriffen, Komorbiditäten und mehr. Außerdem verwies sie aufs ÖBR-Positionspapier zum Thema Hilfsmittel.

    Katharina Hotter (vom Frauengesundheitszentrum FEM Med) sprach über die Wichtigkeit von Gender Medizin. Gender Medizin ist aus mehreren Gründen notwendig: Erkrankungsrisiken unterscheiden sich zwischen Männern* und Frauen*, es zeigen sich unterschiedliche Verläufe und Prognosen. Außerdem sind unterschiedliche Behandlungen notwendig, besonders bei Medikamenten. Hier erklärte sie, dass Medikamente nicht oft genug an Frauen* getestet werden und Frauen* oft andere Dosierungen brauchen als Männer*, da Stoffwechsel, Hormone und weitere Aspekte Einfluss auf die Wirkung haben. Der „gender health gap“ verursacht großes individuelles Leid sowie ökonomisch deutliche Mehrkosten. Versorgungsstrukturen müssen an die Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen und Frauen*, die Sorgearbeit leisten, angepasst werden.

    Brigitte Heller (Verein Lichterkette) und Martin Schenk (Diakonie, Armutskonferenz) trugen einen weiteren wichtigen Faktor bei: die sozialen Determinanten von Gesundheit. Das bedeutet, dass Risiko, Belastungen und Ressourcen in unserer Gesellschaft ungleich verteilt sind. Menschen mit höheren Einkommen haben ein geringeres Risiko und gleichzeitig bessere Möglichkeiten im Gesundheitssystem (Frage der Leistbarkeit von Gesundheitsdienstleistungen). Ein weiterer essenzieller Punkt war die Unzugänglichkeit von Begutachtungssituationen, zu denen die beiden gemeinsam mit dem Verein ChronischKrank derzeit an einer Umfrage arbeiten. Auch im psychiatrischen Bereich fehlt es an Infos und Möglichkeiten zum Einfordern und Einklagen von Rechten.

    Der vierte Vortrag von Theresa Ekpa (ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) beschäftigte sich mit strukturellem Rassismus im Gesundheitswesen. Es stellt sich die Frage: Wem wird überhaupt geglaubt? Sie schilderte mehrere Beispiele. Unter anderem eine Frau mit Migrationshintergrund, die mit starken Schmerzen einfach weggeschickt wird, „weil sie übertreibe“, später stellte sich eine ernsthafte und folgenschwere Erkrankung heraus. In diesem und weiteren Fällen wird deutlich, wie Rassismus selbst zum Krankheitsfaktor wird. Sie erklärte, dass es große Barrieren im Melde- und Beschwerdewesen gibt. Weiters thematisierte sie strukturellen Rassismus in medizinischen Ausbildungen. Wissen ist nicht neutral: Lehrmaterialien in der Dermatologie zeigen beispielsweise meist nur helle Haut, KI-Systeme zum Erkennen von Hautkrankheiten werden nur mit heller Haut trainiert. Geräte wie z.B. Pulsoximeter liefern auf dunkler Haut fehlerhafte Werte, oft mit kritischen Folgen. Es zeigt sich die Notwendigkeit, tiefergehende Strukturen im Gesundheitssystem zu verändern sowie rassismuskritische Kompetenzen in Ausbildungen zu verankern.

    Nach den Vorträgen diskutierten Ulrike Königsberger-Ludwig (Staatssekretärin für Gesundheit), Peter McDonald (Vorsitzender ÖGK Verwaltungsrat) und Theresa Geley (Gesundheitsdirektion Land Tirol) die Umsetzbarkeit der angesprochenen Thematiken. Einig waren sie sich, dass es bessere und zugänglichere Präventionsangebote braucht und dass Barrierefreiheit für das öffentliche Gesundheitssystem essenziell ist.

    Ein Foto vom Podium beim NGO-Forum. Hinten ist eine Powerpoint-Präsentation eingeblendet mit dem Logo der Volksanwaltschaft und dem Titel "Benachteiligte Gruppen und blinde Flecken im Gesundheitsbereich". Darunter stehen Von links nach rechts: Peter McDonald (Vorsitzender ÖGK Verwaltungsrat), Ulrike Königsberger-Ludwig (Staatssekretärin für Gesundheit), Volksanwalt Bernhard Achitz und Theresa Geley (Gesundheitsdirektion Land Tirol).
    Podiumsdiskussion beim NGO-Forum 2026 zum Thema „Benachteiligte Gruppen und blinde Flecken im Gesundheitsbereich“. Von links nach rechts: Peter McDonald (Vorsitzender ÖGK Verwaltungsrat), Ulrike Königsberger-Ludwig (Staatssekretärin für Gesundheit), Volksanwalt Bernhard Achitz und Theresa Geley (Gesundheitsdirektion Land Tirol).
    Julia und Chrisi stehen vor einem Bildschirm mit dem Logo der Volksanwaltschaft und dem Titel des Events und lächeln beide in die Kamera.
    Julia und Chrisi beim NGO-Forum 2026.