Am 26. Juni 2026 fand in Innsbruck der vierte und letzte Dialog im Rahmen des Projekts „Geld und Frauen* mit Behinderungen“ statt. Trotz der hohen Temperaturen nahmen rund 20 Frauen* teil – sogar mehr als ursprünglich erwartet. Das große Interesse zeigte einmal mehr, wie wichtig Räume für Austausch zum Thema Geld und Finanzen für Frauen* mit Behinderungen ist.
Ein vertrauensvoller Start
Bereits in der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass dieser Nachmittag sehr interessant werden würde. Die Teilnehmerinnen* begegneten einander von Beginn an mit großer Offenheit. Persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und Gedanken wurden bereits teilweise bei der Vorstellungsrunde geteilt. Dadurch entstand eine solidarische Atmosphäre, die den Austausch beeinflusste.
Vielfältige Barrierefreiheit
Besonders bereichernd war auch die Vielfalt der Teilnehmerinnen*. Frauen* mit unterschiedlichsten Behinderungen und Barrierefreiheitsanforderungen kamen zusammen. Da der Austausch an einem sehr heißen Sommertag stattfand, wurde der Workshopraum zusätzlich mit gemieteten mobilen Klimageräten gekühlt. Um allen eine gleichberechtigte Teilnahme zu ermöglichen, wurden verschiedene Barrierefreiheitsmaßnahmen umgesetzt: es gab Informationen in Einfacher Sprache, bauliche Barrierefreiheit, Schriftdolmetschung, Österreichische Gebärdensprachdolmetschung (ÖGS) sowie eine Induktionsschleife für Frauen* mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten. Eine Persönliche Assistentin für die gesamte Gruppe stand bei Bedarf unterstützend zur Verfügung. Darüber hinaus begleiteten mehrere Persönliche Assistent*innen, eine Taubblindenassistentin* sowie Unterstützerinnen* in Ally-Rollen einzelne Teilnehmerinnen*. Besonders schön war auch die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe: Die Frauen* halfen einander selbstverständlich – etwa am Buffet, ermutigten sich gegenseitig, sich zu Wort zu melden, und schufen gemeinsam eine Atmosphäre des Vertrauens und der Solidarität. So konnte jede Teilnehmerin* aktiv am Austausch teilnehmen.

Zwei Themen – unterschiedliche Schwerpunkte
Im Anschluss wurde die Gruppe in zwei kleinere Gesprächsgruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema: „Wie ich als Frau* mit Behinderungen mit dem Thema Geld umgehe. Das Leben als Frau* mit Behinderungen ist teurer und belastender als bei Frauen* ohne Behinderungen.“
Die zweite Gruppe tauschte sich zu folgendem Schwerpunkt aus: „Wie ich mir meine Zeit, meine Energie und mein Geld einteile als Frau* mit Behinderungen. Wie ich mit meinen Belastungen umgehe.“
Obwohl sich beide Themen sehr ähneln, entwickelten sich unterschiedliche Schwerpunkte.
In der ersten Gruppe wurde intensiv über Barrieren in Bezug auf Geld und Finanzen gesprochen. Häufig entstehen sie durch mangelndes Wissen und eine fehlende Bereitschaft, notwendige Veränderungen umzusetzen oder bestehende Hindernisse abzubauen. Es wurde als sehr belastend erlebt, dass man bei finanziellen Informationen aufgrund von Barrieren auf fremde Unterstützung angewiesen ist. Das Thema Geld ist eigentlich Privatsache, wird aber so von einigen Frauen* mit Behinderungen nicht wahrgenommen.
In der zweiten Gruppe wurde darüber gesprochen, wie eng finanzielle Selbstbestimmung mit Bildung, sozialer Herkunft und familiärer Unterstützung verbunden ist. Viele Teilnehmerinnen* berichteten, dass ihr Bildungsweg und damit auch ihre beruflichen Möglichkeiten maßgeblich davon beeinflusst wurden, ob sie Unterstützung durch ihre Familie erhielten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Frauen* mit Behinderungen oft mit hohen gesundheitlichen Mehrkosten konfrontiert sind, die ohne familiäre Hilfe kaum zu bewältigen wären. Auch mögliche Kürzungen bei Unterstützungsleistungen wurden als große Sorge genannt, da sie die Selbstbestimmung und den Alltag erheblich einschränken könnten. Darüber hinaus tauschten sich die Frauen* über gesellschaftliche Erwartungen aus: sie beschreiben den Druck, bescheiden zu bleiben, sich anzupassen und gleichzeitig mehr leisten zu müssen als andere, um Sichtbarkeit zu erhalten.
Wunsch nach einer Fortsetzung
Aus den Gesprächen der zweiten Gruppe entstand ein konkreter Wunsch: Viele Teilnehmerinnen* wünschen sich einen regelmäßigen Austausch für Frauen* mit Behinderungen. Die ersten Schritte für eine Gruppe von Frauen* mit Behinderungen in Innsbruck wurde bereits diskutiert. Die große Offenheit und das gegenseitige Verständnis zeigten, wie wertvoll solche Begegnungsräume sind und wie wichtig sie für Vernetzung und Empowerment sein können.

Ein gelungener Abschluss des Projekts
Mit dem Dialog in Innsbruck fand der vierte und letzte Austausch im Projekt „Geld und Fraue*n mit Behinderungen“ statt. Die Dialogreihe hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, Frauen* mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Forderungen für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu formulieren.