Die dritte Ausgabe der regionalen Dialoge fand am 20. April 2026 im Empowerment-Center zur Bildung und Beratung von Menschen mit Behinderungen in Linz statt. Rund 15 Frauen* kamen zusammen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. In zwei Austauschgruppen wurde Themen wie ökonomische Unabhängigkeit, Unterstützungsbedarf und Mental Load Raum gegeben.

In Austauschgruppe 1 ging es darum, wie Frauen* mit Behinderungen in allen Lebensphasen finanziell gut leben können. Viele Beiträge zeigten: Der Wunsch nach einem selbstbestimmten und sicheren Leben ist groß – gleichzeitig gibt es viele Hürden.
Ein zentrales Thema war die Sorge vor finanzieller Unsicherheit im Alter. Teilnehmerinnen berichteten, dass Erwerbsarbeit nicht durchgehend oder nur in Teilzeit möglich ist, deswegen bleibe das Einkommen oft niedrig. Dies wirkt sich direkt auf die Pension aus und Altersarmut war ein großes Thema. Ein zweites wichtiges Thema war fehlende finanzielle Selbstbestimmung. Einige Erfahrungen zeigen, dass finanzielle Entscheidungen nicht immer selbst getroffen werden können, etwa aufgrund von Vorgaben von Unterstützungssystemen. Finanzielle Abhängigkeit verstärkt das Gefühl von Unsicherheit, gerade im Hinblick auf die Zukunft. Klar wurde im Austausch auch, dass viele Herausforderungen nicht erst im Alter beginnen, sondern sich durch das ganze Leben ziehen. Dazu gehören zusätzliche Kosten, bürokratische Hürden oder die Vereinbarkeit von Gesundheit, Arbeit und Alltag.
Neben den Herausforderungen wurden auch positive Ansätze und Strategien sichtbar. Besonders wichtig war der Austausch untereinander. Das Teilen von Erfahrungen wurde als stärkend erlebt – viele nahmen neue Ideen und Informationen mit. Auch frühe Information und Beratung wurde als hilfreich genannt. Wer sich rechtzeitig mit Pension, Ansprüchen und Unterstützungsmöglichkeiten beschäftigt, kann besser planen. Zudem wurde deutlich, dass es mehr verständliche und barrierefreie Informationen braucht, damit alle ihre Rechte kennen und nutzen können.

In der Austauschgruppe 2 stand die Frage im Mittelpunkt, was Frauen* mit Behinderungen stärkt, wenn sie mit finanzieller Unsicherheit und Abhängigkeiten konfrontiert sind.
Viele Frauen berichteten über Scham und Schuldgefühle. Gesellschaftlich würde Armut und finanzielle Schwierigkeiten oft als persönliches Versagen dargestellt. Als stärkend wurde in der Gruppe erlebt, gemeinsam zu erkennen, dass die eigene Situation nicht individuelles „Versagen“ ist, sondern mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zusammenhängt. Auch wurde über Abhängigkeit und eingeschränkte Entscheidungsfreiheit gesprochen. Finanzielle Unsicherheit geht oft mit Situationen einher, in denen Entscheidungen nicht frei getroffen werden können. Dabei sind vor allem die individuelle Lebenssituationen entscheidend, etwa, ob jemand alleine lebt oder in einer Partnerschaft. Zusätzlich wurde angesprochen, dass häufig mehrere Faktoren zusammenwirken, wie etwa Behinderung, gesundheitliche Belastungen oder andere Formen von Diskriminierung, wie etwa soziale Herkunft oder Bildung. Diese Überschneidungen können den Zugang zu fair bezahlter Arbeit und finanzieller Sicherheit weiter erschweren.
Neben den Herausforderungen wurden auch Strategien und stärkende Faktoren sichtbar. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung zu Geld, etwa durch Reflexion oder psychologische Unterstützung. Auch Wissen und Information wurden als wichtige Ressourcen genannt. Zu verstehen, welche Möglichkeiten es gibt, und dieses Wissen miteinander zu teilen, kann Handlungsspielräume erweitern. Der Austausch in der Gruppe selbst wurde ebenfalls als stärkend erlebt. Darüber hinaus wurden persönliche Wege im Umgang mit Belastung angesprochen, zum Beispiel Bewegung oder Zeit in der Natur.

Abschluss
In der gemeinsamen Abschlussrunde wurden die wichtigsten Themen aus beiden Austauschgruppen zusammengeführt und für alle kurz vorgestellt. So konnten Einblicke geteilt und Gemeinsamkeiten sichtbar gemacht werden. Im Anschluss gab es noch Zeit für Gespräche zu zweit, um das Gehörte weiter zu vertiefen.
Im Plenum wurden dann die zentralen Gedanken gesammelt: Es ist wichtig, über das Thema Geld zu sprechen und zu erkennen, dass es sich nicht um individuelle Schicksale handelt. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach mehr Unterstützung deutlich. Viele betonten auch, wie wichtig es ist, den Mut zu finden, sich mit diesen oft schwierigen und mit Scham besetzten Fragen auseinanderzusetzen. Geteilt wurde erneut die stärkende Erfahrung, sich gegenseitig zu unterstützen, gemeinsam aufzutreten und auch gemeinsam wütend zu sein.