Wirkt unsere Arbeit? Das wollten wir nicht nur selbst beurteilen. Deshalb haben wir L&R Sozialforschung beauftragt, FmB unabhängig zu evaluieren. Untersucht wurde der Zeitraum von Jänner 2025 bis Februar 2026. Jetzt liegt der Bericht vor – mit klaren Erfolgen, einigen Baustellen und die deutliche Empfehlung, FmB abzusichern.
Die Evaluierung in Zahlen
135 Vernetzungsaktivitäten in 14 Monaten – rund 291 Arbeitsstunden
33 Veranstaltungen mit 816 Teilnehmenden, davon 16 nur mit Frauen* mit Behinderungen
24 Medienbeiträge im Jahr 2025, u. a. auf ORF Wien, W24 und in den Salzburger Nachrichten
143 → 232 Mitglieder zwischen Februar 2026 und Fertigstellung des Berichts
92 % der Vollmitglieder sind Frauen* mit Behinderungen
83 % der befragten Mitglieder sind „sehr zufrieden“ – niemand ist unzufrieden
So wurde evaluiert
L&R Sozialforschung (Katharina Aufhauser, Claudia Sorger) hat sechs Interviews mit Expert*innen geführt: drei aus Partnerorganisationen, eine Selbstvertreterin aus einem anderen Bundesland, eine Expertin aus der Verwaltung und eine langjährige Aktivistin. Dazu kamen die Auswertung unserer internen Daten – Mitgliederstruktur, Veranstaltungen, Vernetzungsdokumentation, Pressespiegel –, zwei Mitgliederbefragungen mit je 42 Antworten und ein Reflexionsworkshop mit uns Co-Vorsitzenden. Danke an alle, die bei den Befragungen mitgemacht haben!
FmB arbeitet an den großen Lücken
Die befragten Expert*innen beschreiben Behindertenvertretungen als nach wie vor stark männlich dominiert. In feministischen Gruppen und Frauenberatungsstellen werden Frauen* mit Behinderungen oft nicht mitgedacht – viele sind weder physisch barrierefrei noch inhaltlich auf sie ausgerichtet. FmB arbeitet an beiden Lücken: Wir bringen feministische Perspektiven in den Behindertenbereich und anti-ableistische Perspektiven in feministische Bewegungen. Die Evaluierung beschreibt diese Arbeit als in dieser Form bislang einzigartig.
Auch öffentlich sind wir sichtbarer geworden: 2025 gab es 24 Medienbeiträge über FmB, ein Drittel davon rund um den Wiener Frauenpreis im September. Social Media ist innerhalb des Berichtszeitraums stetig angewachsen und war ein wichtiger Informationskanal, ebenso wie der ins Leben gerufene Newsletter.
Frauen* mit Behinderungen werden immer mehr gehört
Als junge, unabhängige Organisation ohne gesetzliche Verankerung hatten wir keinen automatischen Platz in Gremien. Wir haben uns unseren Platz erarbeitet: mit 135 Vernetzungsaktivitäten in 14 Monaten und mit starken Verbündeten – darunter 37 Treffen, in denen wir FmB bei Schlüsselpersonen vorgestellt haben, 13 Podien, 8 Moderationen und 32 Termine in Gremien und Arbeitsgruppen.
Einer unserer größten Erfolge: Gemeinsam mit Ninlil, dem Monitoringausschuss, der Behindertenanwaltschaft und dem Behindertenrat haben wir Frauen* mit Behinderungen im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen verankert. Daraus ist unser Gewaltschutzprojekt „Türen Öffnen“ mit Ninlil entstanden, das sich an Beratungsstellen für Frauen* und für Menschen mit Behinderungen richtet.
Getragen von der Community
Von 143 Mitgliedern im Februar 2026 sind wir auf 232 bei Fertigstellung des Berichts gewachsen – und seit Kurzem haben wir Mitglieder in allen neun Bundesländern. 92 % der Vollmitglieder sind Frauen* mit Behinderungen, das jüngste ist 21, das älteste 88 Jahre alt.
83 % der befragten Mitglieder sind mit unserer Arbeit sehr zufrieden, in der ersten Befragung waren es 69 %. Am meisten schätzen sie, dass es eine eigene Interessensvertretung gibt (86 %), Vernetzung (76 %) und Empowerment (69 %).
Im Analysezeitraum gab es 33 Veranstaltungen mit 816 Teilnehmenden, bei zwei Drittel davon hatte FmB die Leitung. Dazu kommen fünf Arbeitsgruppen, in denen Mitglieder Positionen entwickeln: Anti-ableistischer Feminismus, Gesundheit und Gendermedizin, Spaß, Empowerment & Selbstfürsorge sowie seit Frühjahr 2026 Arbeit und Gewaltschutz. Der Newsletter erscheint seit Dezember 2025 wöchentlich, 84 % der Befragten sind damit zufrieden.
Was sich Mitglieder wünschen: mehr Austausch mit anderen Frauen* mit Behinderungen, mehr Workshops und Seminare, mehr Angebote außerhalb von Wien – und ein Buddy-Programm.
Wie wir selbst leben, was wir fordern
Vorstand und Büroteam bestehen ausschließlich aus Frauen* mit Behinderungen. Seit Jänner 2025 leiten wir FmB im Shared Leadership. Die Evaluierung beschreibt dieses Modell als Ausdruck und Voraussetzung einer anti-ableistischen, barrierefreien und resilienten Organisation. Für Barrierefreiheit sorgen unter anderem Schrift- und ÖGS-Dolmetschung bei Bedarf, fixe Pausen, Arbeitsgruppen ohne Anmeldepflicht und ein freiwilliger Mitgliedsbeitrag von 24 Euro, der an die eigenen Möglichkeiten angepasst werden kann.
Wen wir noch nicht genug erreichen
Die Evaluierung zeigt auch, wo wir noch zu hochschwellig sind. Frauen* mit Lernschwierigkeiten, gehörlose Frauen*, Frauen* mit Migrationsgeschichte und junge Frauen* erreichen wir noch zu wenig. Manche Angebote setzen zu viel Vorwissen voraus, und außerhalb von Wien sind wir noch zu selten präsent. Daran arbeiten wir: mit mehr Einfacher Sprache und ÖGS, mit Partner*innen in den Bundesländern und mit Workshops auch außerhalb von Wien, wo wir explizit auch Frauen* mit Lernschwierigkeiten ansprechen.
Was heißt das für die Zukunft von FmB?
Vieles davon ist nur möglich, weil wir unsere Arbeit hauptamtlich machen können – dank der Förderung des Innovationsfonds Licht ins Dunkel (2025–2027). Die Evaluierung sagt klar: Ohne langfristige Absicherung steht das Erreichte auf dem Spiel. Politische Interessensvertretung in diesem Umfang ist ehrenamtlich nicht leistbar. Unabhängige Selbstvertretung von Frauen* mit Behinderungen braucht eine langfristige Basisfinanzierung – nicht nur Projektmittel. Dafür setzen wir uns ein.
Die Evaluierung empfiehlt außerdem:
- regionale Kooperationsnetzwerke statt eigener Strukturen in allen Bundesländern
- mehr Inhalte in Einfacher Sprache und ÖGS, Kooperationen mit Einrichtungen und Peer-Multiplikatorinnen
- neue Formate für die Community, etwa regionale Treffen oder Mentoring
- die Beteiligung von Frauen* mit Behinderungen an politischen Prozessen strukturell absichern
Diese Ergebnisse gehören euch allen. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Frauen* mit Behinderungen selbst gestalten. Danke, dass ihr mit uns gemeinsam weitergeht!
Julia, Heidi und das ganze FmB-Team
Zum Nachlesen
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