Am 09.10.2026 fand die Kick-off Veranstaltung zur Initiative „Behindert mich nicht“ im Sozialministerium statt, welche die Inklusion von Frauen* mit Behinderungen am Arbeitsmarkt thematisiert. Bei der Erstellung der Kampagne hat FmB Feedback gegeben. Sie besteht u.a. aus einem TV-Spot, einer wachsenden Website und diversen Print-Medien, in denen die Botschaften von Frauen* mit Behinderungen im Zentrum stehen.
Zu Beginn der Veranstaltung betonte Bundesministerin Korinna Schumann, wie wichtig ein chancengerechter Arbeitsmarkt ist. Essenziell für die Kampagne ist, dass nicht über Frauen* mit Behinderungen gesprochen wird, sondern dass sie selbst zu Wort kommen. Und zwar mit der klaren, selbstbewussten Botschaft „behindert mich nicht!“ – denn Frauen* mit Behinderungen dürfen nicht mehr auf ihre Behinderungen reduziert werden.
Dies bekräftigte Lena Jäger (BMASGPK), die Einblicke in die Kampagnen-Entwicklung gab. Ausgangslage waren die tatsächlich erlebten Barrieren von Frauen* mit Behinderungen. Im Austausch mit der Community wurde klar: Wir wollen unsere beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen zeigen, gleichzeitig die sichtbaren oder unsichtbaren Behinderungen nicht verstecken müssen. Über 50 Frauen* mit Behinderungen aus ganz Österreich haben sich dafür beworben, Teil dieser Kampagne zu werden, 7 Testimonials wurden bis jetzt umgesetzt.
Keynote: „Sichtbarkeit von Frauen* mit Behinderungen in der Arbeitswelt zwischen Scham, Stigma und Selbstbestimmung“
Anschließend hielt Julia Moser von FmB eine Keynote zum Thema „Sichtbarkeit von Frauen* mit Behinderungen in der Arbeitswelt zwischen Scham, Stigma und Selbstbestimmung“. Sie betonte die Belastung, die von intersektionaler Diskriminierung ausgeht: Frauen* mit Behinderungen arbeiten häufig in Teilzeit, aber nicht freiwillig (nicht als „lifestyle“), sondern weil es nicht anders geht. Faktoren sind unter anderem das eigene Krankheits-Management, unbezahlte Care-Arbeit, nicht genügend barrierefreie Arbeitsstellen, der Druck, selbst aufklären zu müssen, Scham und viele weitere. Disability Gap und Gender Gap treffen zusammen und ergeben oft ein hohes Armutsrisiko und unsichtbare Abhängigkeiten. Ein eigenes Einkommen, und damit ökonomische Selbstbestimmung, bedeutet auch Schutz vor Abhängigkeiten und dadurch effektiv Gewaltschutz. Julia teilte einen eindrucksvollen Appell an alle Frauen* mit Behinderungen: „Sichtbarkeit soll kein Risiko sein. Macht euch weiterhin sichtbar, zeigt eure Qualifikationen! Und verbündet euch: 1 Frau* mit Behinderungen ist vielleicht lästig, aber 20 sind schon eine Bewegung!“

Podiumsgespräch & Erfahrungsaustausch
Heidemarie Egger moderierte anschließend ein Podiumsgespräch, in drei Testimonials der Kampagne Einblicke in ihre eigenen Karrierewege als Frauen* mit Behinderungen gaben. Mit dabei waren Roxana Mechold, Lisa Bednarik und Daniela Rammel (verlinkt sind jeweils ihre Poster). Besonders deutlich wurde, dass sich die Frauen* keine „Fürsorge“ wünschen, sondern echte Barrierefreiheit und Teilhabe. Sie fordern nachhaltige Maßnahmen seitens der Politik und ermutigen alle Frauen* mit Behinderungen, sichtbar zu sein und für sich selbst einzustehen.
Neben Vernetzung gab es am Nachmittag noch die Möglichkeit, sich in Kleingruppen zu Lebensrealitäten und beruflichen Erfahrungen auszutauschen. Jede Gruppe sammelte zentrale Forderungen, welche wir der im Ministerium zuständigen Sektion weitergeben werden.
Eine Auswahl an den Erkenntnissen und Forderungen der anwesenden Frauen* mit Behinderungen:
- Es gibt zu viele Hürden am Karriereweg, Unterstützungsleistungen müssen besser finanziert werden. Gleichzeitig ist Unterstützung der Arbeitgeber*innen eine Voraussetzung, wenn man beispielsweise nach Erwerb einer Behinderung wieder in den Beruf einsteigen will.
- Wenn Vielfalt sichtbar wird, profieren alle davon – mehr Innovation, mehr Zufriedenheit, mehr Identifikation mit dem Unternehmen.
- Flexibilität (z.B. Gleitzeit, Home-Office) steigert die Produktivität und Zufriedenheit für alle.
- Als Frauen* mit Behinderungen müssen wir uns auch selbst Erfolg zutrauen können.
- Es sollte einen Rechtsanspruch auf inklusive Weiterbildungen geben.
- Einstellungsquoten sollten auch in Führungspositionen gelten.
- Teilzeit-Arbeit muss fair entlohnt werden.
Wir Frauen* mit Behinderungen nehmen wahr, dass Ministerin Schumann uns und unsere Lebensrealitäten ernst nimmt. Die Sichtbarkeit, die diese Kampagne schafft, ist ein wichtiger Baustein, aber nur einer. Frauen* mit Behinderungen sind noch viel zu oft finanziell von Partner*innen oder Familie abhängig. Ökonomische Selbstbestimmung heißt: ein eigenes, existenzsicherndes Einkommen, eigenständige soziale Absicherung in jeder Lebensphase und die Freiheit, selbst über das eigene Geld zu entscheiden. Dafür bleiben wir laut und sichtbar und fordern, dass die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schafft.
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Foto: Karo Pernegger