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Nachbericht Online-Vortrag „Krüppelfrauen-Gruppen: organisieren, widersprechen, überleben“

    Am 11. Februar 2026 fand der Online-Vortrag „Krüppelfrauen-Gruppen: organisieren, widersprechen, überleben“ mit Swantje Köbsell von der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Team Exzellente Inklusion – einem Projekt von Studierenden für Studierende mit Behinderungen.

    Im Mittelpunkt stand die feministische Perspektive auf die Behindertenbewegung in den 60er/70er Jahren.
    Swantje Köbsell, selbst Rollstuhlfahrerin und Mitbegründerin einer Krüppelfrauen-Gruppe, verbindet wissenschaftliche Analyse mit politischem Engagement.

    Ein prägendes Ereignis für die Bewegung von Menschen mit Behinderungen war das sogenannte Frankfurter Urteil: Das Landgericht Frankfurt am Main sprach einer Urlauberin eine Reisepreisminderung zu, weil sie sich durch die Anwesenheit behinderter Menschen im Hotel gestört fühlte. Die implizite Zustimmung, dass Menschen mit Behinderungen „stören“, löste breite Empörung aus. Für viele war dies ein Weckruf, sich stärker zu vernetzen und öffentlich sichtbar zu werden.

    Zentral war dabei der Perspektivwechsel: Behinderung wurde nicht länger als individuelles Defizit verstanden, sondern als Folge gesellschaftlicher Barrieren. Nicht der Mensch ist „falsch“, sondern die Umwelt, die ausschließt.

    Innerhalb der Bewegung blieben Frauen* mit Behinderungen jedoch zunächst unsichtbar. Sie erlebten Diskriminierung sowohl aufgrund ihrer Behinderung als auch ihres Geschlechts. Themen wie Sexualität, Mutterschaft oder Gewalt fanden wenig Beachtung, berufliche Möglichkeiten waren eingeschränkt und traditionelle Rollenbilder wirkten fort.

    Deshalb gründeten sich eigene Krüppelfrauen-Gruppen, die geschützte Räume für Austausch und politische Organisierung boten. Mit Aktionen und Veröffentlichungen verschafften sich Frauen* mit Behinderungen zunehmend Gehör. Ein wichtiger Schritt war die Gründung von dem Verein Weibernetz im Jahr 1998 als bundesweite Interessenvertretung in Deutschland.

    Der Vortrag machte deutlich: „Organisieren“ und „Widersprechen“ sind keine historischen Schlagworte, sondern bleiben aktuelle Aufgaben. Rechte müssen immer wieder eingefordert und gesellschaftliche Normen kritisch hinterfragt werden – damals wie heute.

    Der Vortrag hat mir deutlich gemacht, wie wichtig selbstorganisierte Räume für Frauen* mit Behinderungen waren und nach wie vor sind. Mich hat der Mut und die Entschlossenheit der Krüppelfrauen-Gruppen sehr beeindruckt und bin dankbar, dass  diese für die Rechte von Frauen* mit Behinderungen gekämpft haben und kämpfen.
    Ich war für die Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen dabei – und es ist für mich eine ehrenvolle Aufgabe, diesen Kampf weiterhin laut, entschieden und gemeinsam weiterzutragen.