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FmB-Talks: Lydia Kremslehner „Wir sind auf dem richtigen Weg“

    Bei der 1. FmB-Generalversammlung am 14. November 2025 organisierten wir das Rahmenprogramm „FmB-Talks“. FmB-Mitglieder teilen ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Botschaft mit uns. Dieser Beitrag in der Reihe wurde von Lydia Kremslehner verfasst, es ist eine Zusammenfassung ihres gesprochenen Inputs.

    FmB Talk von Lydia Kremslehner

    „Der Verein FmB ist total wichtig für die Sichtbarkeit von Frauen* mit Behinderungen. Ich bin froh, dass wir es in Österreich geschafft haben, so eine Vereinsstruktur und Interessensvertretung aufzubauen. Ich weiß, wieviel Arbeit das ist. Es gab historisch in Österreich bereits mehrmals Anfänge, um so eine Struktur aufzubauen. Diese sind bisher aber immer gescheitert, beziehungsweise stießen auf ganz viel Widerstand. Deswegen ist es umso beachtlicher, dass es jetzt in Österreich zum ersten Mal gelungen ist.

    Ich habe als Frau mit Behinderungen sehr viel Gewalt erlebt, in meiner Kindheit und in der Jugend. Damals als Kind war das für mich normal. Ich wusste nicht, dass es sich dabei um Gewalt handelt. Ich habe das so stark verinnerlicht, dass ich das gar nicht als Gewalt oder Grenzüberschreitung empfunden habe. Und ich glaube, so geht es ganz vielen Frauen* mit Behinderungen. Es dauert wirklich sehr sehr lange, um aus dieser Spirale rauszukommen. Es braucht extrem viel Anerkennung und Sensibilität von Außenstehenden, um überhaupt zu erkennen, dass andere Menschen mir Gewalt angetan haben. Die Momente der Reflexion und der Erkenntnis sind leider sehr schmerzhaft. Weswegen viele Betroffene und auch Außenstehende es nicht schaffen, da hinzuschauen. Wir alle müssen da aber hinschauen und das sichtbar machen. Und es dauert viele viele Jahre, um das alles zu verarbeiten. Das ist ein langer Prozess der notwendig ist, um die vielen Wunden zu heilen. Es dauert dann auch noch viele weitere Jahre, um als Frau* mit Behinderung Selbstbewusstsein und Empowerment aufzubauen.

    Heutzutage im erwachsenen Alter passieren immer noch Grenzüberschreitungen und Gewalt. Jedoch können diese mit neu gelernten Umgangsweisen besser bewältigt werden. Das heißt, Frauen* mit Behinderungen müssen immer wieder lernen, Mut aufzubringen. Frauen* mit Behinderungen müssen nicht immer stark sein, sondern können auch schwach sein. Aber trotzdem brauchen wir einen Schutz gegen Gewalt. Ich möchte allen Frauen* mit Behinderungen Mut zusprechen. Das ist unheimlich wichtig. Ich habe mich früher an Frauen* ohne Behinderungen orientiert und mir abgeschaut, was sie anders machen. Jetzt mit dieser Interessensvertretung können wir uns gegenseitig stärken und voneinander lernen. Wir brauchen solche Orte, Vorbilder und wertschätzenden Austausch untereinander, um neuen Mut und Kraft schöpfen zu können. Seid mutig und macht weiter so!

    Ich finde die Interessensvertretung FmB ist auf einem guten Weg. Aus wissenschaftlicher Sicht im Bereich Disability und Gender Studies kann ich den Verein FmB für alle Frauen* mit Behinderungen voll empfehlen. Feministische und anti-ableistische Inklusion als auch intersektionale Teilhabe wird durch und durch umgesetzt und gelebt. Macht weiter so!“