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Fachtagung „Gewalt hat viele Gesichter – und keine Ausrede“ von Starke.Frauen.Machen

    Am 25. November 2025 waren wir online bei der Fachtagung zum Thema Gewaltschutz von Frauen mit Behinderungen dabei, die vom deutschen Netzwerk Starke.Frauen.Machen organisiert wurde. Starke.Frauen.Machen ist Deutschlands Netzwerk der Frauen-Beauftragten in Einrichtungen und eine politische Interessensvertretung. Die Tagung „Gewalt hat viele Gesichter – und keine Ausrede“ widmete sich zielgenau dem Gewaltschutz von Frauen mit Behinderungen. Die folgenden Absätze bieten einen Überblick über die vermittelten Inhalte.

    Zu Beginn wurde der Statusbericht Gewaltschutz vorgestellt. Betont wurde dabei, dass auch in Deutschland die aktuellen Gesetze nicht ausreichen, um Frauen* mit Behinderungen effektiv vor den unterschiedlichen Formen von Gewalt in Werkstätten zu schützen. Es wird u.a. mehr Personal gefordert, bessere Schulungen für alle sowie eine partizipative Einbindung in die Erstellung von Gewaltschutzkonzepten. Auch das Empowerment von Frauen* mit Behinderungen in Einrichtungen wurde thematisiert.

    Im nächsten Vortrag ging es um den Wegweiser Gewaltschutz, der am 14.11.2025 vom Arbeitskreis Gewaltschutz unter dem deutschen Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht wurde. Diesen gibt es in Leichter Sprache zum kostenfreien Download. Der Wegweiser enthält Mindest-Standards, die in Gewaltschutz-Konzeption enthalten sein müssen sowie Verantwortungen und Aufgaben, die sich daraus für die Leitung von Einrichtungen ergeben.

    Ricarda Kluge stellte die Mindeststandards Gewaltschutz sowie ihre Erfahrungen aus dem Projekt Suse genauer vor. Sie betonte, dass Partizipation und Beratung von unabhängigen Fachstellen essenzielle Voraussetzungen für guten Gewaltschutz sind. An Gewaltschutz muss in der gesamten Organisation gedacht werden: in allen Fachbereichen, bei allen Begleit-Angeboten und bei allen Personen. Es muss bedacht werden, dass Gewalt viele verschiede Formen hat –körperlich, psychisch, sexuell, aber ebenso Gewalt durch Fremdbestimmung und fehlende Hilfe.

    Danach berichtete Magdalene Sadura über das Hilfesystem und ihre Erfahrungen vom Frauen Notruf Bielefeld, wo Fachwissen zu sexualisierter Gewalt gebündelt wird. Sie betonte, dass ein Abbau von Barrieren auf vielfältige Weise stattfinden muss:  interne Fortbildungen, Erlernen von verschiedenen Kommunikationsmodi, inklusive Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarkeit, räumliche Barrierefreiheit, das Angebot von psychosozialer Prozess-Begleitung für Frauen mit Behinderungen und viele mehr.

    Maya Goltermann brachte ein, dass Supervision für Frauenbeauftragte ein wichtiger Baustein zur Handlungssicherheit bei Gewaltschutz ist, in der Werkzeuge zum Umgang mit belastenden Situationen erlernt werden können.

    Die Veranstaltung zeigte klar, dass Gewaltschutz keine Glückssache sein darf und dass das Hilfesystem für alle Menschen zugänglich sein muss – insbesondere für Frauen* mit Behinderungen, die nach wie vor zu viele Barrieren erleben.