Am 25. März 2026 fand ein Online-Austauschtreffen zum Thema „Geld und Frauen* mit Behinderungen“ statt. Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung – Strategien zur Entlastung von Mental Load“. Ziel des Projekts ist es, die Erfahrungen von Frauen* mit Behinderungen sichtbar zu machen, ihre Rechte zu stärken und das Bewusstsein dafür zu erhöhen.
Im Zentrum des Treffens stand das Thema „Verantwortung übernehmen, andere und sich selbst versorgen – Familie, Beziehungen und Geld“.
Begleitet wurde der Austausch von den Mentorinnen Anna R. und Bettina P., die ihre eigenen Erfahrungen teilten und den gemeinsamen Austausch dadurch unterstützten.
Rund 20 Frauen* nahmen teil und brachten ihre persönlichen Erfahrungen, Herausforderungen, Strategien und Perspektiven ein. Bereits in der Vorstellungsrunde wurde deutlich, wie eng das Thema Geld mit dem gesamten Leben verknüpft ist – insbesondere dann, wenn dieses durch Behinderungen ohnehin komplex und fordernd ist.
Ein zentrales Spannungsfeld zeigte sich im Umgang mit Erwerbsarbeit: Viele Frauen* bewegen sich zwischen den Polen „gar nicht arbeiten können“ und „über die eigenen Grenzen hinaus arbeiten müssen“. Teilzeitarbeit ist für viele die einzige realistische Möglichkeit, reicht jedoch oft nicht aus, um den Lebensunterhalt und die Pension zu sichern. Gleichzeitig ist Vollzeitarbeit aus gesundheitlichen Gründen häufig nicht machbar. Dieses strukturelle Dilemma führt dazu, dass sich Arbeit finanziell kaum lohnt oder sogar zur zusätzlichen Belastung wird. Die Berufsunfähigkeitspension wurde in diesem Zusammenhang immer wieder thematisiert – als notwendige Absicherung, aber auch als System, das wenig Raum für flexible Lösungen lässt. Es wurde kritisch angemerkt, dass es für den Staat langfristig sinnvoller wäre, Einkommen bei reduzierter Arbeitsfähigkeit aufzustocken, anstatt Menschen vollständig aus dem Arbeitsmarkt zu drängen.
Neben den finanziellen Herausforderungen wurde der enorme organisatorische und mentale Aufwand sichtbar, den Frauen* mit Behinderungen täglich leisten. Der Alltag ist geprägt von Planung, Koordination und dem ständigen Umgang mit gesundheitlichen Anforderungen. Ärzt*innentermine, Therapien und Unterstützungsleistungen müssen organisiert werden, häufig verbunden mit langen Wegen durch ein System, in dem sich niemand wirklich zuständig fühlt. Besonders bei unsichtbaren Behinderungen entstehen zusätzliche Hürden, da diese oft nicht anerkannt oder verstanden werden. Viele berichteten von belastenden Erfahrungen, bei denen sie immer wieder weiterverwiesen wurden, während die eigene Kraft zunehmend schwindet.
Auch die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Gesundheit und Care-Arbeit wurde intensiv diskutiert. Besonders für alleinerziehende Frauen* entsteht ein enormer Druck, da sie gleichzeitig für ihr Einkommen und die Versorgung ihrer Kinder verantwortlich sind. Care-Arbeit bleibt dabei meist unsichtbar und unbezahlt, obwohl sie einen großen Teil des Alltags einnimmt. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten spürbar – Mieten werden teurer, Lebensmittel kosten mehr, während Unterstützungsleistungen gekürzt werden oder schwer zugänglich sind. Zuverdienstgrenzen und der Wegfall von Förderungen verschärfen die Situation zusätzlich.
Viele Teilnehmerinnen* berichteten von finanzieller Abhängigkeit – von Eltern oder dem sozialen Umfeld. Damit verbunden sind große Zukunftsängste: Wie kann mein Leben langfristig abgesichert werden? Was passiert, wenn unterstützende Strukturen wegfallen? Wie kann Pension aussehen, wenn nur eingeschränkt gearbeitet werden kann? Diese Fragen bleiben für viele offen und belastend.
Deutlich wurde auch der Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und der Lebensrealität von Frauen* mit Behinderungen. Während Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit erwartet werden, bleibt der zusätzliche Aufwand, den eine Behinderung mit sich bringt, unsichtbar und wird nicht abgegolten. Viele beschrieben das Gefühl, dass das „Management der eigenen Behinderungen“ zu einer eigenen, unbezahlten Arbeit wird.
Der Austausch wurde zugleich als stärkend und verbindend erlebt. Die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen, wurde als große Ressource wahrgenommen. Gerade in einem System, das oft als überfordernd und wenig unterstützend erlebt wird, gewinnt dieser Austausch auf Augenhöhe besondere Bedeutung.
Neben den strukturellen Problemen wurden auch individuelle Strategien sichtbar: Grenzen setzen, sich bewusst Raum nehmen und die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen. Offene Kommunikation im privaten Umfeld, insbesondere mit Partner*innen, kann entlastend wirken. Ebenso wurde betont, wie wichtig es ist, sich bei Überlastung Unterstützung zu holen und Warnsignale wie Erschöpfung oder Burn-Out ernst zu nehmen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass individuelle Lösungen allein nicht ausreichen und es strukturelle Veränderungen braucht.
Der Austausch machte insgesamt sichtbar, dass finanzielle Fragen für Frauen* mit Behinderungen untrennbar mit Selbstbestimmung, Würde und Lebensqualität verbunden sind. Die aktuellen Rahmenbedingungen erschweren ein selbstbestimmtes Leben erheblich. Umso wichtiger sind Räume wie dieser, in denen Erfahrungen geteilt, Zusammenhänge sichtbar gemacht und gegenseitige Unterstützung ermöglicht werden.
