Im Projekt geht es darum, Frauen* mit Behinderungen als Expertinnen sichtbar zu machen. Es geht auch darum, die Belastungen von Frauen* mit Behinderungen zu zeigen, in einer Welt voller Barrieren. Zum Beispiel beim Geld verdienen oder beim Umgang mit Geld. In Wien starten die Arbeitsgruppen, es wird noch Treffen in Linz, Innsbruck und auch zwei Online-Treffen geben. In den insgesamt fünf Arbeitsgruppentreffen tauschen sich viele unterschiedliche Frauen* mit Behinderungen aus. Mentorinnen* mit Behinderungen teilen ihre Erfahrungen. Die Ergebnisse werden in einer Veranstaltung im Herbst präsentiert.
Austauschtreffen
27.02.2026 Austauschtreffen bei Ninlil in Wien
Am 27. Februar 2026 trafen sich die Teilnehmerinnen* in Wien, um ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Wissen zu sammeln. Die Einladung richtete sich an Frauen* mit Behinderungen zu einem Austausch-Treffen zum Thema Geld und finanzielle Belastungen. Das Treffen ist Teil des Projekts, das die finanzielle Selbstbestimmung von Frauen* mit Behinderungen stärken und ihre Herausforderungen sichtbarer machen soll. Die Teilnahme war barrierefrei gestaltet, es gab Unterstützungsangebote wie Gebärdensprachdolmetschung sowie eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro.

Beim ersten Austauschtreffen in Wien zum Projekt „Geld und Frauen* mit Behinderungen“ kamen ca. 12 Teilnehmerinnen zusammen, um Erfahrungen zu finanzieller Selbstbestimmung zu teilen. Im Fokus stand, dass Frauen* mit Behinderungen Expertinnen* ihrer eigenen Lebensrealität sind und oft zu wenig Mitspracherecht sowie Informationen über ihre Rechte haben. In zwei Gruppen wurden unter anderem zentrale Themen wie Fremdbestimmung bei Geldfragen und strukturelle Einschränkungen durch Zuverdienstgrenzen diskutiert. Das Thema der Austauschgruppe 1 war „Es ist mein Geld. Auch wenn ich Unterstützung habe, bestimme ich.
Erfahrungen mit Erwachsenenvertretungen & anderen Personen, die mitentscheiden.“ und das Thema der Austauschgruppe 2 war „Ich lebe mit Grenzen, wieviel ich verdienen und arbeiten kann.
Wege mit Teilzeit, Zuverdienstgrenzen und Honoraren umzugehen.“ Viele berichteten von finanziellen Barrieren, die Unabhängigkeit erschweren und Zukunftsplanung verhindern. Insgesamt wurde deutlich, dass politische Veränderungen notwendig sind, um mehr Selbstbestimmung und finanzielle Sicherheit zu ermöglichen. Hier geht es zum Nachbericht des 1. Austauschtreffens.

25.03.2026 Austauschtreffen online
Die Einladung kündigte ein Online-Austauschtreffen am 25. März 2026 für Frauen* mit Behinderungen an, bei dem auch wieder das Thema Geld im Mittelpunkt steht. Die Auseinandersetzung fokussiert sich auf das Thema „Verantwortung übernehmen, andere und sich selbst versorgen – Familie, Beziehungen und Geld
Wie schaffe ich das alles – und wo bleibe ich dabei? „. In einem geschützten Rahmen sollen die Teilnehmerinnen* über ihre persönlichen Erfahrungen mit finanziellen Situationen sprechen und darüber, wie Geld mit ihrem Alltag, ihren Lebensbedingungen und bestehenden Herausforderungen zusammenhängt. Ziel ist es, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und ein gemeinsames Verständnis für finanzielle Ungleichheiten zu entwickeln.
Beim zweiten, online durchgeführten Austauschtreffen diskutierten rund 20 Frauen* mit Behinderungen über das enge Zusammenspiel von Geld, Verantwortung und Lebensrealität. Besonders sichtbar wurde das Spannungsfeld zwischen eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und unzureichender finanzieller Absicherung, das viele in dauerhafte Unsicherheit bringt. Gleichzeitig zeigte sich der enorme mentale und organisatorische Aufwand im Alltag, der durch Care-Arbeit, Gesundheitsmanagement und bürokratische Hürden entsteht und meist unsichtbar bleibt. Steigende Lebenserhaltungskosten, Zuverdienstgrenzen und Abhängigkeiten von Familie oder Unterstützungssystemen verstärken Zukunftsängste zusätzlich. Der Austausch wurde als stärkend erlebt und machte deutlich, wie wichtig solidarische Räume sind, in denen Erfahrungen geteilt und gemeinsame Perspektiven entwickelt werden können. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass echte Verbesserungen nur durch tiefgreifende strukturelle und politische Veränderungen möglich sind. Hier geht es zum Nachbericht des 2. Austauschtreffens.

20.04.2026 Austauschtreffen beim Empowermentcenter in Linz
Der Austausch in Linz dreht sich um die Themen „Ich habe das Recht, selbstbestimmt und finanziell sicher zu leben, in jeder Lebensphase. – Als Frau* mit Behinderungen mit Belastungen im Alter und in der Pension umgehen.“ und „Was stärkt mich bei finanzieller Unsicherheit und Abhängigkeiten? – Wege zu mehr Selbstbestimmung trotz fehlender Inklusion.“. Eine Anmeldung für das Austauschtreffen war bis 13.04. möglich. Genauere Infos findest du hier in schwerer Sprache und hier in einfacher Sprache.
26.06.2026 Austauschtreffen bei Selbstbestimmt Leben in Innsbruck
Genauere Informationen kommen in Kürze.
Projektstimmen
Im Rahmen des Projekts entstehen Audio-Clips, die Stimmen hörbar und spürbar machen. Sie laden dazu ein, zuzuhören, nachzudenken und neue Perspektiven kennenzulernen. Frauen* mit Behinderungen teilen darin ihre ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensrealitäten rund um das Thema Geld – offen, persönlich und vielfältig.
Die Clips geben Einblicke in individuelle Geschichten, Herausforderungen, Wünsche und Wege im Umgang mit finanziellen Themen. So entsteht ein vielstimmiges Bild, das zeigt, wie unterschiedlich und doch auch wieder wie ähnlich das Thema Geld erlebt wird – und wie wichtig es ist, darüber zu sprechen.
In dieser Aufnahme gibt Rebekka P. einen ehrlichen Einblick in ihre Erfahrungen als Frau* mit Behinderung und die finanziellen Herausforderungen ihres Alltags. Sie spricht über ihre persönlichen Erfahrungen im Berufsleben und damit einhergehenden finanziellen Hürden. Die Aufnahme macht deutlich, wie stark besonders Frauen* mit Behinderungen betroffen sind. Gleichzeitig hebt Rebekka P. hervor, wie wichtig Mut, Selbstbestimmung und Unterstützung sind.
Textversion Audio-Datei von Rebekka P.
Anni ist 44 Jahre alt, lebt in Wien, ist Mutter und arbeitet 20 Stunden. Ihr Alltag ist stark von Schmerzen, eingeschränkter Mobilität und schwierigen Ärzt*innenbesuchen geprägt, da es kaum passende Therapien gibt. Finanziell steht sie unter Druck, weil ihr Einkommen gering ist und gleichzeitig zusätzliche Kosten durch Kind und ihre Behinderung entstehen, während Unterstützungen wie Pflegegeld nicht ausreichen. Auch im Arbeitsleben sieht sie große Hürden für Menschen mit Behinderungen. Trotz allem betont sie die Bedeutung von Planung, Kommunikation und gegenseitiger Unterstützung im Alltag.
Textversion Audio-Datei von Anni
Projektbeschreibung
Wir wissen, dass Frauen* mit Behinderungen einem besonders intensiven Mental Load ausgesetzt sind. Sie sind nicht nur mit Barrieren konfrontiert, sondern leisten auch Care-Arbeit. Sie sind eher armutsgefährdet und befinden sich öfter in finanziellen Abhängigkeits-Situationen. Das österreichweite Projekt macht einerseits die Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen sichtbar. Andererseits schafft es Räume, in denen gemeinsames Lernen und Austausch unter Frauen* mit Behinderungen stattfinden kann.
Dafür werden regionale Mentorinnen-Dialoge in Wien, Linz, Innsbruck sowie online organisiert, in denen Peers die Selbstbestimmung von Frauen* mit Behinderungen stärken und sie empoweren. Es wird gegen Ende 2026 eine bundesweite Dialogveranstaltung geben, in der Frauen* mit Behinderungen ihre gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um Stakeholder*innen gegenüber strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dadurch wird ein wertvoller Beitrag zu mehr Gleichstellung und Gewaltprävention geleistet. Das im Laufe des Projektes generierte Wissen wird außerdem auf unserer Website gesammelt und barrierefrei sowie kostenlos für alle bereitgestellt.
Mehr Infos zum Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) und Details zum Projekt: https://gmr.lbg.ac.at/frauen-mit-behinderungen-als-mentorinnen-fuer-oekonomische-selbstbestimmung-strategien-zur-entlastung-von-mental-load/
Peer-Expertinnenbeirat
Fünf Frauen mit Behinderungen unterstützen im Projekt als Beirätinnen:
- Isabell Naronnig (Ninlil – Empowerment und Beratung für Frauen* mit Behinderung / Leitung und Beratung feministische Frauen* Peer-Beratung für Frauen* mit Behinderung)
- Brigitte Heller (Gründerin und Vorsitzende Verein Lichterkette / Mental-Health Mentorin / Beirätin im Vorstand des VertretungsNetz / Beraterin im Bereich Berufliche Rehabilitation / Trainerin mit Iso-Zertifizierung mit Schwerpunkt Inklusion)
- Melanie Wilhelmer (Sozialarbeiterin / Supervisorin und Coach / Mitglied im Vorarlberger Monitoringausschuss)
- Monika Schmerold (Vorsitzende knack:punkt / Selbstbestimmt Leben Salzburg / Expertin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit)
- Michaela Joch (Universität Wien – Arbeitsbereich Inklusive Pädagogik / Expertin für intersektionalen Ableismus)

Projektpartnerschaft LBI und FmB
FmB startet als Projektpartnerin in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) in das neue Projekt „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung – Strategien zur Entlastung von Mental Load“. Es startet mit November 2025 und läuft bis Ende Dezember 2026. Fördergeber ist das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
- Presseaussendung am 8.März: Der Artikel beschreibt das Projekt, das die ökonomische Selbstbestimmung von Frauen* mit Behinderungen thematisieren soll, insbesondere durch einen Mentorinnen-Ansatz, bei dem Betroffene ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Er zeigt, dass Frauen* mit Behinderungen in Österreich stark benachteiligt sind – sie sind seltener erwerbstätig, häufiger von Armut betroffen und tragen zusätzlich hohe psychische Belastungen, einen sogenannten Mental Load. Das Projekt zielt darauf ab, durch Austausch, Sichtbarmachung von Problemen und konkrete Strategien langfristig mehr Gleichstellung und bessere politische Maßnahmen zu erreichen.
